Prof. Dr. Bruno Hildenbrand


Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Soziologie
Carl-Zeiß-Straße 2
07743 Jena

bruno.hildenbrand@uni-jena.de


Referat: Ereignis, Krise, Struktur – ein Konzept von Wandel im Lebenslauf und in Beratung und Therapie.

Abstract: Auf der Grundlage des Meilener Konzepts systemischer Beratung und Therapie (Fallverstehen in der Begegnung) wird ein Konzept von Wandel in Beratung und Therapie vorgestellt, in dessen Zentrum die Begriffe Krise, Chaos, Resilienz und Reintegration stehen. Dieses Konzept wird um ein weiteres ergänzt, in welchem Krisenbewältigungsprozesse im Zusammenhang mit Lebensverläufen gesehen werden und in dem auf die Gestaltung von Lebensverläufen durch die Akteure selbst abgehoben wird. Schließlich wird die Bedeutung der Begegnung in therapeutisch begleiteten Prozessen des Wandels betont.


Workshop 1: Arbeit mit Genogrammen von Klienten.
Genogrammarbeit in Beratung und Therapie dient der Diagnostik und ist bereits Therapie. Das sequenzanalytische Verfahren bei der Genogrammarbeit wird am Fall geübt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, Genogramme aus ihrer beraterischen oder therpaeutischen Arbeit unter einer praktischen Fragestellung vorzubereiten, gerne auch von Familien im Migrationsprozess, und sich damit beim Veranstalter, Reto Mischol, zu melden. In der ersten Sitzung kann ein Genogramm in Gruppenarbeit erschlossen werden, nachdem eine Einführung in die Methode der sequenzanalytischen Genogrammarbeit erfolgt ist. Je nach Nachfrage kann mit derselben Gruppe ein weiterer Workshop durchgeführt werden, in dem dann zwei weitere Genogramme analysiert werden. Es gilt das Prinzip: die ersten drei, die sich beim Veranstalter melden, können berücksichtigt werden.


Workshop 2: Arbeit mit Genogrammen im Rahmen der Selbsterfahrung.
Genogrammarbeit im Rahmen der Selbsterfahrung dient der Erkundung der Frage, wie sich Lebens- und Familienthemen zum objektiven Rahmen einer in Genogrammdaten sich niederschlagenden Lebens- und Familiengeschichte verhalten. In einer dreistündigen Sitzung kann nur eine Person ihr Genogramm diskutieren. Ausgewählt wird, wer sich als erstes für dieses Vorhaben beim Veranstalter, das heißt bei Reto Mischol, meldet. Die anderen Teilnehmenden haben die Gelegenheit, systemische Selbsterfahrung als Gruppenarbeit an Lebens- und Familienthemen und an den darauf bezogenen Genogrammen kennen zu lernen und vor allem aktiv daran mitzuwirken.

Kurz-CV:
Bruno Hildenbrand, Jg. 1948, Soziologe, Inhaber der Professur für Sozialisationstheorie und Mikrosoziologie am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Dozent und Supervisor am Ausbildungsinstitut für systemische Beratung und Therapie Meilen in Zürich. Arbeitsschwerpunkte Professionelles Handeln in der Organisation; Kinder- und Jugendhilfe, vor allem Umgang mit Kindeswohlgefährdung; das Verhältnis von Alltagswissen und wissenschaftlichem Wissen, untersucht am Beispiel der Begleitung und Unterstützung von Pflegefamilien; unkonventionelle Verfahren psychiatrischer Behandlung.

 






Neu erschienen:
Bruno Hildenbrand, Familie und Beschleunigung. Sozialer Sinn Jg. 10 Heft 2 (2009), S. 265-281


Arbeitsgebiete
Sozialisationstheorie, Professionalisierungstheorie, Psychiatrische Soziologie als Klinische Soziologie, Qualitative Forschungsverfahren, Familientherapie
vita
1970 - 1979
Studium an der Universität Konstanz, M.A. in Soziologie, Politische Wissenschaften, Psychologie
1979
Dr. rer. soc. (summa cum laude), Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Konstanz
1975 - 1979
Wissenschaftlicher Mitarbeiter als Stipendiat der Fritz-Thyssen-Stiftung am Sozialwissenschaftlichen Archiv der Universität Konstanz. Arbeitsschwerpunkt: Soziale Organisation von Biographien psychisch Kranker, speziell Familienbiographien

1979 - 1984
Wissenschaftlicher Angestellter im Zentrum für Nervenheilkunde, Psychiatrische Klinik der Philipps-Universität Marburg

1984 - 1989
Hochschulassistent (C 1) am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, WBE Sozialisation/Sozialpsychologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main

seit 1988
Dozent und Supervisor am Ausbildungsinstitut für systemische Therapie und Beratung in Meilen/ZH

1991
Habilitation für das Fach Soziologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Universität Frankfurt

1989 - 1994
Professor (A 15) an der Berufsakademie Villingen-Schwenningen, Ausbildungsbereich Sozialwesen, Leiter der Fachrichtung "Arbeit mit psychisch Kranken und Suchtkranken" mit dem Arbeitsschwerpunkt Anleitung und Supervision der Studierenden in den Praxiseinrichtungen

seit 1994
Professor (C 3) für Sozialisationstheorie und Mikrosoziologie am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Lehre
Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2010/11
Grundzüge der Soziologie I: Mikrosoziologie (Vorlesung)
Professionelle Kommunikation (Hauptseminar)
Bedrohungskommunikation in der Sicherheitsgesellschaft - am Beispiel prekärer Familien in der Jugendhilfe (Lehrforschung)
Institutskolloquium
Werkstatt Klinische Soziologie

Lehrveranstaltungen in vergangenen Semestern
Familienwanderungen II (Lehrforschung) SoSe 10
Sozialisation und Familie (Vorlesung) SoSe 10
Interaktionstheorien (Seminar) SoSe 10
Klinische Soziologie II: Professionelle Kommunikation (Hauptseminar) WS09/10
Grundzüge der Soziologie I: Mikrosoziologie (Vorlesung) WS09/10
Werkstatt Klinische Soziologie (Forschungskolloquium) WS09/10
Familienwanderungen (Lehrforschung) WS09/10
Sozialisation und Familie (Vorlesung) SoSe 09
Klinische Soziologie I: Kontexte professioneller Behandlung beschädigter psychosozialer Integrität (Hauptseminar) SoSe 09
Notfallkommunikation II (Lehrforschung) SoSe 09
Grundzüge der Soziologie I: Mikrosoziologie (Vorlesung) WS 08/09
Grundlagen der Organisationssoziologie und professionales Handeln (HS) WS 08/09
Notfallkommunikation I (Lehrforschung) WS 08/09
Werkstatt Klinische Soziologie (Forschungskolloquium) WS 08/09; SoSe 09
forschungsprojekteJugendhilfe in Tranformationsprozessen, Teilprojekt C3 des SFB 580

Verfachlichung alltäglicher Lebenspraxis in sozialisatorischen Handlungsfelder außerhalb von Familien: Zerstörung alltäglicher Lebenspraxis oder Eröffnung neuer Optionen?

Verbesserung berufsfördernder Integration mit IUK

Begleitprojekt zur Entwicklung und Einführung eines EDV-gestützten Dokumentationssystems in einer Psychiatrischen Rehabilitationsklinik

Salutogenetische Orientierungen in der Hausarztpraxis (in Kooperation mit den Universitäten Göttingen und Witten-Herdecke)

ausgewählte publikationen

1983 Alltag und Krankheit - Ethnographie einer Familie. Stuttgart: Klett-Cotta

1984 (2., überarbeitete Auflage 1994) Methodik der Einzelfallstudie - Theoretische Grundlagen, Erhebungs- und Analyseverfahren, vorgeführt an Fallbeispielen. Studienbrief (3 Kurseinheiten, 413 S.) Hagen: Fernuniversität

1991 Alltag als Therapie. Bern: Huber

1992 Bauernfamilien im Modernisierungsprozeß (zusammen mit K.F. Bohler, W. Jahn, R. Schmitt). Frankfurt am Main: Campus

1992 Bauernfamilien heute - Sieben Fallstudien (zusammen mit K.F. Bohler, W. Jahn, R. Schmitt). Schriftenreihe der deutschen Landjugendakademie Fredeburg; Fredeburger Hefte Nr. 21

1996 zusammen mit Rosmarie Welter-Enderlin, Systemische Therapie als Begegnung. Stuttgart: Klett-Cotta (4., verb. Auflage 2004)
Spanische Ausgabe: La terapia sistémica como encuentro. Barcelona: Herder 1998

1997 Landwirtschaftliche Familienbetriebe in der Krise (zusammen mit Karl Friedrich Bohler, unter Mitarbeit von Karl-Ernst Bühler, Roswitha Hietel-Weniger, Christine Jauch, Brigitte Löhr-Heinemann und Falko Seegel). Sozialforschung, Arbeit und Sozialpolitik Bd. 3. Münster: LIT)

1999 Fallrekonstruktive Familienforschung - Anleitungen für die Praxis. Opladen: Leske und Budrich

2002 Stadt der Zukunft - Leben im prekären Wohnquartier (zusammen mit Christa Berger und Irene Somm). Opladen: Leske und Budrich

2004 (4., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage) Systemische Therapie als Begegnung (zusammen mit Rosmarie Welter-Enderlin) Stuttgart: Klett-Cotta

2005 Einführung in die Genogrammarbeit. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag

Publikationsliste
System Familie (Verlag Springer, Heidelberg und Berlin)
Psychotherapie und Sozialwissenschaft (Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen)
Sozialer Sinn (Verlag Leske und Budrich).

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